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Hagebutte (Rosa canina): Von der Volksmedizin zur evidenzbasierten Entzündungs- und Schmerztherapie

  • Autorenbild: Petja Koleva
    Petja Koleva
  • 17. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit
Hagebutte im Schnee

Ein altbekanntes Heilmittel erlebt ein wissenschaftliches Comeback


Die Hagebutte zählt zu den ältesten bekannten Heilpflanzen Europas. Lange wurde sie vor allem als natürliche Vitamin-C-Quelle geschätzt – doch moderne Forschung zeigt: Die kleine rote Frucht der Wildrose (Rosa canina) besitzt weitreichende entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften, insbesondere bei Arthrose und chronischen Gelenkbeschwerden.


Was die Volksmedizin über Generationen hinweg beobachtet hat, wird heute durch klinische Studien bestätigt. Die Hagebutte ist damit ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie traditionelles Heilwissen und evidenzbasierte Medizin zusammenfinden.


Historischer Überblick: Die Anwendung in der Volksmedizin


Bereits in der Antike erwähnten Ärzte wie Hippokrates und später Dioskurides Wildrosenfrüchte als Heilmittel. Sie wurden eingesetzt bei:


  • Entzündungen des Magen-Darm-Trakts

  • Fieberhaften Erkrankungen

  • Schmerzen und „inneren Entzündungen“


Im Mittelalter fand die Hagebutte Eingang in die Klostermedizin. Hildegard von Bingen beschrieb Wildrosenpräparate zur „Reinigung des Blutes“ und zur Stärkung bei Schwächezuständen.


In der europäischen Volksmedizin wurde die Hagebutte vor allem als Tee oder Mus gegen Erkältungen und Grippe, als Stärkungsmittel bei Rekonvaleszenz und als Schmerz- und Entzündungsmittel (bei Gelenkbeschwerden, Rückenschmerzen und rheumatischen Leiden) verwendet. Besonders in Skandinavien, Osteuropa und im Alpenraum war Hagebuttentee ein fester Bestandteil der Hausmedizin bei Gelenksteife im Alter aber auch zur allgemeinen Stärkung der Abwehrkräfte (Immunsystem).


Während des Zweiten Weltkriegs gewann die Hagebutte in Europa große Bedeutung als Vitamin-C-Ersatz, da Zitrusfrüchte knapp waren. Diese Nutzung prägte lange Zeit das Bild der Hagebutte als reines „Vitamin-C-Lebensmittel“ – ihre entzündungshemmenden Eigenschaften gerieten dabei in den Hintergrund und allmählich auch in Vergessenheit.


Ein interessantes Faktum ist, dass die Volksmedizin häufig die ganze Frucht (inklusive der Samen) nutzte - also genau jene Bestandteile, die heute als besonders wirksam gelten.


Hagebutte in Schale

Aus der moderenen Forschung:

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Hagebutte


Die moderne Forschung zeigt uns, dass die Wirkung der Hagebutte nicht auf einen einzelen Wirkstoff (wie selten in der Naturmedizin), sondern auf einem komplexen Wirkstoffverbund beruht. Die Wirkstoffkombination aus Galactolipide, Polyphenole und Flavonoide, Carotinoide, Mineralstoffe, Gerbstoffe und Vitamine (wie zB Vitamin C, A, B1, B, K, P), verleiht der Hagebutte ihre entzündungshemmenden, antioxidativen und schmerzlindernden Eigenschaften.


Dabei stehen im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit die sogenannten Galactolipide. Diese fettähnlichen Pflanzenstoffe kommen vor allen in den SAMEN und SCHALEN der Hagebutte vor. Studien zeigen, dass Galactolipide vor allem entzündungsfördernde Botenstoffe reduzieren, die Aktivität bestimmter Immunzellen dämpfen, zentrale Entzündungswege hemmen und enzündungsfördernde Enzyme beeinflussen. - Genau diese Wirkstoffmechanismen sind besonders relevant bei chronisch-entzündlichen Prozessen, wie sie beispielsweise bei Arthrose auftreten.


Hagebuttenpulver bei Arthrose


Arthrose ist keine rein mechanische Abnutzung, sondern geht mit chronischen Entzündungsprozessen einher - und genau hier setzt die Hagebutte an. Mehrere klinische Studien und Meta-Analysen zeigen eine signifikante Reduktion von Arthrose Schmerzen, eine Verbesserung der Beweglichkeit und einen geringeren Bedarf an klassischen Schmerzmitteln.


Hagebuttenpulver

Besonders gut untersucht ist die Einnahme von etwa 5 g standardisiertem Hagebuttenpulver täglich über mehrere Monate. Die Wirkung setzt - wie meist in der Naturmedizin - nicht sofort ein, sondern reguliert und balanciert den Körper langsam, dafür ist sie in der Regel gut verträglich und meist Nebenwirkungsfrei. Viele Studienteilnehmer berichten über weniger Morgensteifigkeit, mehr Bewegungsfreiheit und im allgemeinen eine verbesserte Lebensqualität.


Im Gegensatz zu Medikamente unterdrückt die Hagebutte nicht nur Symptome, sondern greift regulierend in Entzündungsprozesse ein. Die Vorteile von Hagebuttenpulver liegen dabei klar auf der Hand. Es wirkt langfristig entzündungshemend, ist gut verträglich, es treten keine bekannten Schädigungen des Magen-, Darmtrakts oder des Herz-Kreislaufs ein (im Gegensatz zu synthetischen Schmerzmittel), und es ist zur dauerhaften Anwendung geeignet.


Weitere Wirkungsbereiche der Hagebutte


Neben der entzündungshemmenden Wirkung spielt auch der oxidative Stress eine zentrale Rolle bei Arthrose. Die Hagebutte enthält zahlreiche Antioxidantien, die beispielsweise freie Radikale neutralisieren, die Knorpelzellen schützen und den Abbau von Gelenkknorpel verlangsamen können.


Es gibt Studien die darauf hindeuten, dass Hagebuttenextrakte die Aktivität von sog. Matrix-Metalloproteinasen hemmen. Das sind Enzyme, die am Knorpelabbau beteiligt sind.


Neben Arthrose wird die Hagebutte wissenschaftlich auch in anderen Bereichen untersucht, wie beispielsweise:


  • Unterstützung der Herz-Kreislauf-Gesundheit

  • positive Effekte auf Blutfettwerte

  • Unterstützung des Immunsystems

  • Haut- und Zellschutz durch Antioxidantien


Diese Effekte sind noch nicht so gut belegt wie die Wirkung bei Gelenkbeschwerden, zeigen aber das breite gesundheitliche Potenzial der Pflanze.


Anwendungsbereich der Hagebutte in der traditionellen Volksmedizin


In der traditionellen europäischen Volksmedizin wurde die Hagebutte nicht isoliert als Schmerzmittel verstanden, sondern als regulierende Heilpflanze, die den gesamten Organismus beeinflusst. Ihr Einsatz folgte einem ganzheitlichen Krankheitsverständnis, in dem Leber, Nieren, Blut, Verdauung und Bewegungsapparat eng miteinander verbunden waren.


Volksmedizin

Das volksmedizinische Krankheitsverständnis ist historisch von der Methode "Reinigung statt Symptombehandlung" geprägt. Chronische Schmerzen, Gelenkprobleme, Hautleiden oder Erschöfung wurden nicht als Einzelprobleme gesehen, sondern als Folge gestörter Ausleitungs- und Reinigungsprozesse.


Die Hagebutte galt in diesem Kontext als mildes, aber zuverlässiges Mittel zur inneren Ordnung. Dabei spielte die Hagebutte eine zentrale Rolle bei Leber-, Nieren- und Blasenleiden, bei Gicht- und Harnsäureleiden, als Ausleitungs- und Reinigungsmittel (beispielsweise zur "Blutreinigung"), sie wurde als Mittel gegen Steine und Grieß eingesetzt, als sanfter Begleiter bei chronischen Leiden und zur allgemein Stärkung des Immunsystems.


REZEPT:

Hagebuttenpulver selber herstellen


Hagebutte sammeln um Hagebuttenpulver herzustellen

  1. Hagebutten vorbereiten:

    die Hagebutten gründlich waschen und die Blüten und Stielansätze entfernen. Die Früchte in zwei Hälften schneiden und falls gewünscht, die Kerne entfernen.


  2. Trocknen:

    Die Hagebutten entweder an der Luft, im Dörrautomaten oder bei niedriger Temperatur (max. 40 Grad) im Ofen trocknen.


  3. Mahlen:

    Die gut getrockneten Hagebutten in einem Mixer oder einer Gewürzmühle zu feinem Pulver trocknen.


  4. Aufbewahrung:

    Das Hagebuttenpulver in ein Glas, dass man gut verschließen kann, füllen und beschriften.



Transparenzhinweis:

Dieser Beitrag dient der Information und Wissensvermittlung. Er stellt keine medizinische oder therapeutische Beratung dar. Bitte sprich bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden mit einer medizinischen Fachperson.




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