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Der Faschingskrapfen als traditonelles Brauchtumsgebäck

  • Autorenbild: Petja Koleva
    Petja Koleva
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Wenn in Österreich von Fasching die Rede ist, führt kein Weg am Faschingskrapfen vorbei. Goldgelb ausgebacken, mit Marillenmarmelade gefüllt und mit Staubzucker bestreut, gilt er heute als Inbegriff närrischer Genüsse. Doch der Krapfen ist weit mehr als ein saisonales Gebäck: Er ist ein Träger von Symbolik, eine Ritualspeise – und tief im bäuerlichen Jahreslauf verwurzelt, besonders in der Steiermark.


Rauchkuchl, Rauchküche

Lichtmess –

der stille Krapfentag


Während der Krapfen heute fast ausschließlich mit dem Fasching verbunden wird, hatte er früher bereits zu Mariä Lichtmess (2. Februar) eine wichtige Rolle.


Lichtmess markierte in der ländlichen Gesellschaft einen entscheidenden Wendepunkt:


Es war das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres und Abschluss des Winters. Darüber hinaus war Lichtmess der Kündigungs- und Zinstag für Knechte und Mägde und der Beginn des „längeren Lichts“ – die Tage werden spürbar heller. An diesen Tagen wurde der Krapfen mit den Dienstboten, die bleiben durften (und wollten), als Zeichen des sozialen Zusammenhalts gemeinsam gegessen.


Lichtmess stand damit für Übergang, Ordnung und Neubeginn. Zu diesem Anlass wurde festlich, aber maßvoll gegessen. Krapfen gehörten vielerorts dazu – wie erwähnt, besonders als Dank- oder Abschiedsspeise für Dienstboten oder als gemeinsames Essen innerhalb der Hausgemeinschaft. Diese Lichtmess-Krapfen waren meist schlichter als die späteren Faschingskrapfen: oft ungefüllt oder nur leicht gesüßt, manchmal reine Schmalz- oder Hefekrapfen. Der Krapfen war zu Lichtmess kein Überflussgebäck, sondern ein ritueller Marker im Jahreslauf.


Rosenmontag und Faschingsdienstag –

der Höhepunkt des Genusses


Ganz anders präsentierte sich der Krapfen an den letzten Tagen des Faschings, besonders am Rosenmontag und Faschingsdienstag. Diese Tage lagen unmittelbar vor dem Aschermittwoch und damit vor der 40-tägigen Fastenzeit, in der tierische Fette, Fleisch, Eier, Zucker und Süßspeisen traditionell gemieden wurden.


Genau deshalb wurde jetzt noch einmal bewusst üppig gekocht, gebacken und genossen. Der Faschingskrapfen wurde hier zum Symbol für Überfluss vor dem Verzicht, außerdem für die Lebensfreude, die Ausgelassenheit und die Gemeinschaft. Zu jenen Tagen wurde das bewusste "Noch-einmal-Genießen" vor der Fastenzeit praktiziert. In dieser Zeit waren (und sind) Krapfen ein selbstverständlicher Teil von Faschingsfesten und -bällen. Man verschenkt sie als "Mitbringsel" bei Besuchen und hält sie als Gabe für Maskierte, Nachbarn und Verwandte bereit.


Der Krapfen in der Steiermark


In der Steiermark zeigt sich besonders gut, wie vielfältig die Krapfentradition war und ist: An Lichtmess genoss man den Krapfen im bäuerlichen, häuslichen Kontext - er stand für Übergang, Ordnung und Neubeginn und war eine schlichte, meist ungefüllte und leicht gezuckerte Speise.


Zu Fasching hingegen gab es dann den klassischen, mit Marillenmarmelade gefüllte Faschingskrapfen. Diese Variante stand für Abschied vom Überfluss (vor der Fastenzeit), für Ausgelassenheit und wurde in der Öffentlichkeit und bei Festen verschenkt und verspeist.


Daneben gibt es zahlreiche herzhafte Krapfenvarianten (z. B. mit Erdäpfeln, Sauerkraut oder Geselchtem, wie dem Ennstaler Steirerkrapfen oder dem Massinger Fleischkrapfen), die zeigen, dass Krapfen ursprünglich kein reines Süßgebäck waren. Diese Vielfalt macht deutlich, dass der Krapfen Alltags- und Festessen zugleich war, abhängig von Anlass, Jahreszeit und sozialem Kontext.


Faschingskrapfen

Rezept - Traditionelle Faschingskrapfen


Zutaten

500 g glattes Weizenmehl

30 g frische Germ (Hefe)

250 ml Milch, lauwarm

70 g Zucker

3 Dotter

1 ganzes Ei (optional, traditionell oft ja)

80 ml neutrales Pflanzenöl

1 Prise Salz

Vanille (oder Vanillezucker)

Schale von ½ Bio-Zitrone

1–2 EL Rum(traditionell wichtig – verhindert starkes Fettsaugen)

ca. 200 g Marillenmarmelade

Öl oder Schmalz zum Ausbacken

Staubzucker zum Bestreuen


Zubereitung

  1. Dampfl ansetzen

Germ in etwas lauwarmer Milch mit 1 TL Zucker auflösen. Mit 2–3 EL Mehl verrühren und 10–15 Minuten gehen lassen, bis sich Bläschen bilden.


  1. Teig bereiten

Mehl in eine Schüssel geben, Zucker, Salz, Vanille, Zitronenschale untermischen. Dotter, Ei, Öl, Rum, restliche Milch und das Dampfl einarbeiten. Den Teig 10–15 Minuten kräftig schlagen oder kneten, bis er glatt ist und Blasen wirft. Er soll weich, aber nicht klebrig sein. Mit einem Tuch abdecken und ca. 1 Stunde gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. Den Teig niederkneten und erneut aufgehen lassen.


  1. Krapfen formen

Mit einem Esslöffel vom Teig Stücke abstechen und zu glatten Kugeln schleifen, leicht flach drücken. Mit Abstand auf ein bemehltes Tuch legen, nochmals 20–30 Minuten gehen lassen.


  1. Ausbacken

Öl oder Schmalz erhitzen. Krapfen mit der Oberseite nach unten einlegen, zugedeckt goldgelb backen, dann wenden und offen fertig backen. Der helle „Kragen bzw. Ring“ ist ein Zeichen guter Gare.


  1. Füllen & Bestreuen

Mit Marillenmarmelade füllen. Ich füge zur Marillenmarmelade immer eine Schuss Rum hinzu. Großzügig mit Staubzucker bestreuen.


Faschingskrapfen

Rezept: Glutenfreie Faschingskrapfen


Zutaten

Für den Teig:

250 g glutenfreie Mehlmischung

20 g frische Hefe

100 ml lauwarme Milch

2 EL Zucker

2 Eier (Zimmertemperatur)

50 ml neutrales Pflanzenöl

1 Prise Salz

1 TL Xanthan oder Guarkernmehl (stabilisiert den Teig)

Schale von ½ Bio-Zitrone

1 EL Rum (optional, verhindert zu starkes Fettaufsaugen)


Für die Füllung & Topping:

150–200 g Marillenmarmelade (oder andere Lieblingsfüllung)

Öl zum Ausbacken

Staubzucker zum Bestreuen


Zubereitung

  1. Hefevorbereitung

    Hefe in 50 ml lauwarmer Milch auflösen

    1 TL Zucker hinzufügen

    10 Minuten gehen lassen, bis sich Blasen bilden


  2. Teig zubereiten

    Glutenfreie Mehlmischung, Salz, Xanthan und Zitronenschale mischen

    Eier, Öl, Rum und restliche Milch hinzufügen

    Hefevorbereitung dazugeben

    Alles gut verrühren, bis ein glatter, weicher Teig entsteht

Tipp: Glutenfreie Teige sind etwas klebriger; nicht zu viel Mehl nachgeben, sonst werden die Krapfen trocken


  1. Teig gehen lassen

    Schüssel abdecken

    45–60 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen


  2. Krapfen formen

    Teig auf bemehlter Fläche (glutenfreies Mehl) ca. 2 cm dick ausrollen oder Portionen abstechen

    Runde Kugeln formen, leicht flach drücken

    Auf ein bemehltes Tuch legen und nochmals 20 Minuten gehen lassen


  3. Ausbacken

    Öl in einem Topf auf ca. 170 °C erhitzen

    Krapfen vorsichtig einlegen (mit der Oberseite nach unten)

    2–3 Minuten pro Seite goldbraun ausbacken

    Mit einem Schaumlöffel herausnehmen und auf Küchenpapier abtropfen lassen


  4. Füllen & Bestreuen

    Krapfen mit Marmelade füllen

    Großzügig mit Staubzucker bestreuen


Bauernstube

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