Erkältungszeit - 5 Gesundheitstipps nach Hildegard von Bingen

Mit Hildegards Weisheit gesund durch die Erkältungszeit und die kalte Jahreszeit
Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken und die ersten Erkältungswellen durch das Land ziehen, erinnern wir uns gerne an die kleinen Hausmittel, die schon unsere Großmütter kannten. Ein wärmender Kräutertee, eine kräftige (Hühner)Suppe oder ein ruhiger Abend unter einer warmen Decke – manchmal sind es gerade die einfachen Dinge, die uns guttun.
Doch heute möchte ich mit euch noch weiter in die Vergangenheit blicken! Zu einer Frau, die sich bereits vor beinahe 900 Jahren intensiv mit der Natur, dem menschlichen Körper und den Zusammenhängen zwischen Gesundheit und Lebensführung beschäftigte: Hildegard von Bingen.
Die Benediktinerin, Äbtissin, Naturkundige und Visionärin hinterließ mit ihren natur- und heilkundlichen Schriften Physica und Causae et Curae ein bemerkenswertes Werk. Sie beschäftigte sich mit Pflanzen, Nahrungsmitteln, Edelsteinen und den natürlichen Grundlagen des menschlichen Lebens. Dabei betrachtete sie den Menschen nicht losgelöst von seiner Umwelt, sondern als Teil einer größeren Ordnung. Ähnlich wie Paracelsus, sah auch sie den Menschen als Mikrokosmos im Makrokosmos.
Natürlich können wir nicht wissen, was Hildegard uns heute angesichts moderner Medizin, wissenschaftlicher Erkenntnisse und unseres oftmals hektischen Alltags tatsächlich raten würde. Aber wir können ihre überlieferten Gedanken aufgreifen und uns eine spannende Frage stellen:
Was würde Hildegard von Bingen wohl empfehlen, wenn sie heute leben würde?
Vielleicht würde sie uns zunächst daran erinnern, dass Gesundheit nicht erst dort beginnt, wo Krankheit aufhört. Sehr wahrscheinlich würde sie uns dazu ermutigen, wieder bewusster auf unseren Körper zu hören, die Gaben der Natur wertzuschätzen und unsere Lebensgewohnheiten zu hinterfragen.
Denn gerade in der kalten Jahreszeit ist es sinnvoll, dem eigenen Wohlbefinden besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, Bewegung an der frischen Luft, bewusste Ruhephasen und ein achtsamer Umgang mit den eigenen Kräften bilden wichtige Grundlagen. Ergänzend können uns traditionelle Pflanzenkunde und wohltuende Rituale durch den Winter begleiten.
Wir haben uns deshalb auf eine kleine gedankliche Zeitreise begeben und fünf Bereiche ausgewählt, in denen sich Hildegards überliefertes Naturwissen mit modernen Erkenntnissen und alltagstauglichen Anwendungen verbinden lässt. Von der Ernährung über die Pflanzenheilkunde und Edelsteinkunde bis hin zur Aromatherapie und Achtsamkeit – entdecken wir gemeinsam, welche Impulse wir aus Hildegards Welt für unsere heutige Erkältungsvorsorge mitnehmen können. Gesundheit beginnt für uns mit der bewussten Pflege des eigenen Lebens!

1. Ernährung – Den Körper von innen stärken
Warum eine bewusste Ernährung die Grundlage unserer Gesundheit bildet
Für Hildegard von Bingen war die Ernährung eng mit dem Wohlbefinden des Menschen verbunden. Was wir essen, wie wir essen und in welchem Maß wir uns ernähren, gehörte für sie zu einer gesunden Lebensführung. Dabei ging es nicht um möglichst viele Lebensmittel oder eine möglichst große Auswahl, sondern um Bekömmlichkeit, Maßhalten und die Qualität der Nahrung.
Besonders interessant ist dabei ihr Blick auf die Natur: Lebensmittel besitzen in ihrer Vorstellung unterschiedliche Eigenschaften und Qualitäten. Sie können den Menschen stärken, belasten oder aus dem Gleichgewicht bringen. Diese Betrachtungsweise ist Teil der mittelalterlichen Humoralmedizin, die wir nicht mit heutigen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen gleichsetzen dürfen. Dennoch steckt in manchen ihrer Grundgedanken eine bemerkenswerte Aktualität.
Dinkel, Gemüse und Gewürze – die Kraft einer einfachen Küche
Wenn wir uns mit Hildegards Ernährungsempfehlungen beschäftigen, begegnen wir früher oder später dem Dinkel. In der modernen Hildegard-Tradition gilt er beinahe als das Getreide schlechthin. Er wird als Brot, Brei, Suppe oder ganzes Korn verwendet und bildet die Grundlage zahlreicher Rezepte.
Allerdings lohnt sich hier ein genauerer Blick auf die historischen Quellen: Die heute bekannte, stark auf Dinkel ausgerichtete „Hildegard-Ernährung“ wurde in ihrer konkreten Form wesentlich durch moderne Interpreten geprägt. Hildegards Physica enthält zwar zahlreiche Beschreibungen von Lebensmitteln und Getreide, aber keinen Ernährungsplan im heutigen Sinne.
Kleiner Exkurs: Dinkel ist nicht gleich Dinkel
Dinkel gilt als eines der bekanntesten Getreide in der Ernährungslehre nach Hildegard von Bingen. Doch wer heute Dinkel kauft, sollte wissen: Nicht jedes Dinkelkorn ist gleich. Dinkel (Triticum aestivum subsp. spelta) gehört zu den sogenannten Spelzweizen. Im Gegensatz zu gewöhnlichem Weichweizen bleibt sein Korn beim Dreschen fest von den Spelzen umschlossen und muss vor der Weiterverarbeitung zunächst entspelzt werden.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde Dinkel zunehmend durch ertragreichere Getreidesorten verdrängt. Mit seiner Wiederentdeckung hielt auch die moderne Pflanzenzüchtung Einzug. Um Ertrag, Standfestigkeit und Backeigenschaften zu verbessern, wurde bei manchen Züchtungen gezielt Weichweizen eingekreuzt. Solche Sorten werden häufig als Dinkelweizen bezeichnet - beim Einkaufen ist es aber manchmal schwierig den Dinkelweizen von Ursorten zu unterscheiden!
Dem gezüchteten Dinkelweizen stehen traditionelle Landsorten wie Oberkulmer Rotkorn, Ebners Rotkorn, Ostro, Attergauer Dinkel oder Steiners Roter Tiroler. Sie werden besonders im ökologischen und traditionellen Landbau geschätzt. Eine wissenschaftlich einheitliche Definition von „Urdinkel“ gibt es allerdings nicht.
Was bedeutet das für unseren Einkauf?
Wer Wert auf traditionelle Dinkelsorten legt, sollte möglichst auf die konkrete Sortenbezeichnung, die Herkunft und die Züchtungsgeschichte achten. Ein direkter Kontakt zu regionalen Mühlen oder landwirtschaftlichen Betrieben kann dabei besonders aufschlussreich sein. Vielleicht dürfen wir uns gerade hier wieder etwas mehr an einer alten Tugend orientieren: nicht einfach nur kaufen, sondern hinterfragen, woher unsere Lebensmittel kommen und was tatsächlich in ihnen steckt. Denn bewusste Ernährung beginnt nicht erst auf unserem Teller, sondern bereits bei der Auswahl unseres Saatgutes und Getreides!
Was wir dennoch aus Hildegards Naturkunde mitnehmen können, ist die Wertschätzung einfacher, möglichst naturbelassener Lebensmittel. Gerade in der kalten Jahreszeit dürfen warme Getreidebreie, kräftige Gemüsesuppen und saisonale Gemüsegerichte wieder einen größeren Platz auf unserem Speiseplan einnehmen. Fenchel, Karotten, Sellerie, Kürbis und Edelkastanien sind beispielsweise wunderbare Zutaten für eine abwechslungsreiche Winterküche.
Auch Gewürze spielten in Hildegards Naturkunde eine bedeutende Rolle. Fenchel beschrieb sie unter anderem mit seiner wärmenden Qualität und seiner Bedeutung für die Verdauung. Galgant, Ysop und weitere aromatische Pflanzen finden sich ebenfalls in ihren naturkundlichen und heilkundlichen Schriften.
Für unsere heutige Küche bedeutet das: Wir dürfen ruhig wieder häufiger selbst kochen, saisonale Zutaten verwenden und uns Zeit für die Zubereitung nehmen. Eine warme Suppe mit Wurzelgemüse, frischen Kräutern und ausgewählten Gewürzen ist nicht nur ein Genuss, sondern auch eine unkomplizierte Möglichkeit, verschiedene wertvolle Lebensmittel in unseren Alltag einzubauen.
Hildegard trifft Gegenwart: Fünf kleine Ernährungsgewohnheiten
Was könnten wir also aus Hildegards Naturverständnis für unsere heutige Ernährung mitnehmen?
Möglichst selbst kochen: Bevorzuge frisch zubereitete Mahlzeiten gegenüber stark verarbeiteten Fertigprodukten.
Saisonal und regional essen: Nutze das, was die jeweilige Jahreszeit hervorbringt.
Wärme auf den Speiseplan bringen: Suppen, Eintöpfe und warme Getreidegerichte sind gerade im Winter wohltuende Mahlzeiten.
Mit Kräutern und Gewürzen arbeiten: Fenchel, Thymian, Galgant, Ysop und andere aromatische Pflanzen bringen Vielfalt in die Küche.
Bewusst und maßvoll essen: Nimm dir Zeit für deine Mahlzeiten und achte auf dein persönliches Sättigungsgefühl.

Rezeptimpuls: Wärmender Dinkel-Gemüse-Eintopf
100 g Dinkelkörner
2 Karotten
1 kleine Fenchelknolle (optional)
1 Stück Sellerie
1 kleine Zwiebel
1 Knochlauchzehe
750 ml Gemüsebrühe
etwas Thymian, Petersilie und Galgant
Salz und Pfeffer nach Geschmack
etwas hochwertiges Olivenöl
Dinkelkörner nach Packungsangabe vorbereiten und gegebenenfalls einweichen. Gemüse klein schneiden und in etwas Olivenöl anschwitzen. Mit Gemüsebrühe aufgießen, Dinkel hinzufügen und köcheln lassen, bis alles gar ist. Mit Kräutern und Gewürzen abschmecken.
(Eine moderne Rezeptidee, keine historisch überlieferte Hildegard-Rezeptur. Dinkel enthält Gluten und ist bei Zöliakie nicht geeignet.)
Ein Gedanke zum Mitnehmen:
Vielleicht würde Hildegard uns heute daran erinnern, dass wir nicht für jedes kleine Unwohlsein ein neues Nahrungsergänzungsmittel benötigen. Vielleicht würde sie uns vielmehr dazu ermuntern, wieder einen bewussteren Umgang mit unseren Lebensmitteln zu entwickeln. Weniger nebenbei essen, weniger Fertigprodukte, mehr saisonale Vielfalt und wieder selbst den Kochlöffel schwingen. Denn eine gute Ernährung beginnt nicht im Nahrungsergänzungsregal, sondern auf unserem Teller!
2. Pflanzenheilkunde – Die Apotheke der Natur
Altes Pflanzenwissen neu entdecken und die Kräfte der Kräuter bewusst nutzen
Wenn wir uns mit Hildegard von Bingen beschäftigen, kommen wir an der Pflanzenwelt nicht vorbei. Sie betrachtete Pflanzen nicht einfach als Zutaten für Tees oder Heilmittel, sondern als Teil einer lebendigen Schöpfung, deren Eigenschaften und Kräfte es zu verstehen galt. Ihre naturkundlichen Aufzeichnungen zeigen, wie intensiv sie sich mit den Pflanzen ihrer Umgebung auseinandersetzte. Dabei beschrieb sie unterschiedliche Qualitäten, Anwendungen und Eigenschaften zahlreicher Kräuter. Vieles davon ist aus heutiger Sicht historisch interessant, manches lässt sich mit modernen Erkenntnissen über Pflanzeninhaltsstoffe vergleichen.
Gerade für die Erkältungsvorsorge lohnt sich ein Blick auf dieses überlieferte Wissen. Denn die Pflanzenwelt hält eine erstaunliche Vielfalt an aromatischen, würzenden und wohltuenden Begleitern bereit!
Hildegard von Bingen Pflanzenwelt: Fenchel, Ysop und Galgant in der Erkältungszeit
Drei Pflanzen beziehungsweise Gewürze verdienen in diesem Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit - nämlich der Fenchel, Ysop und Galgant!
Fenchel (Foeniculum vulgare)
Fenchel gehörte zu den Pflanzen, die Hildegard besonders schätzte. In ihrer Physica beschrieb sie ihn als angenehm wärmend und erwähnte seine Verwendung in unterschiedlichen Zubereitungen. Auch heute ist Fenchel aus der traditionellen Pflanzenkunde nicht wegzudenken.
Seine Früchte enthalten ätherisches Öl, insbesondere Anethol und Fenchon. Fenchel wird traditionell vor allem bei leichten Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Als aromatischer Tee ist er außerdem ein angenehmer Begleiter durch die kalte Jahreszeit.
Ysop (Hyssopus officinalis)
Auch Ysop findet sich in Hildegards Pflanzenbeschreibungen. Sie ordnete ihn als trocken und mäßig warm ein und empfahl ihn vor allem in gekochter Form. Seine aromatischen Eigenschaften machten ihn zu einer geschätzten Pflanze in der mittelalterlichen Kräuter- und Gewürzküche.
Ysop enthält verschiedene ätherische Ölbestandteile. Seine Zusammensetzung kann je nach Herkunft und Chemotyp deutlich variieren. Historisch wurde er unter anderem im Zusammenhang mit Atemwegsbeschwerden verwendet.
Galgant (Alpinia galanga)
Galgant ist ein Ingwergewächs, das ursprünglich aus Südostasien stammt. Seine aromatische, leicht scharfe Wurzel wurde auch in der mittelalterlichen Klosterküche verwendet. Hildegard beschrieb Galgant in ihrer Physica und setzte ihn in unterschiedlichen Rezepturen ein.
Heute kennen wir Galgant vor allem als aromatisches Gewürz. Seine Scharfstoffe und ätherischen Ölbestandteile machen ihn zu einer interessanten Zutat für wärmende Speisen und Getränke. Gerade in Suppen, Gemüsegerichten oder Gewürzmischungen lässt er sich wunderbar verwenden.
Welche Pflanzen würden uns heute durch die Erkältungszeit begleiten?
Wenn wir Hildegards Pflanzenwissen mit heutigen Erkenntnissen verbinden, dürfen wir unseren Blick durchaus etwas erweitern. Neben den Pflanzen aus ihrer Naturkunde gibt es weitere Kräuter, deren traditionelle Verwendung bei Erkältungsbeschwerden heute auch evidenzbasiert erwähnenwert sind.
Besonders interessant finde ich dabei folgende drei Pflanzen:
Thymian (Thymus vulgaris)
Thymian ist ein Klassiker der europäischen Pflanzenheilkunde. Seine ätherischen Öle enthalten unter anderem Thymol und Carvacrol. Thymianzubereitungen eignen sich hervorragend zur Linderung von erkältungsbedingtem Husten mit Schleimbildung.
Holunderblüten (Sambucus nigra)
Holunderblüten haben in der europäischen Volksheilkunde eine lange Tradition. Besonders bekannt ist ihre Verwendung als warmer Tee in der Erkältungszeit. Ein Holunderblütentee eignet sich hervorragend zur Linderung von Erkältungssymptomen, bei Fieber und allgemeinem Unwohlsein.
Hagebutte (Rosa canina und andere Rosa-Arten)
Die leuchtend roten Früchte der Wildrosen sind besonders interessant für die Winterküche. Sie enthalten Vitamin C und weitere sekundäre Pflanzenstoffe. Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Eine ausreichende Versorgung ist daher sinnvoll. Die Hagebutte lässt sich wunderbar als Tee, Fruchtmus oder Bestandteil einer winterlichen Gewürzmischung verwenden.
Was ich an diesen Pflanzen besonders schön finde: Sie lassen sich unkompliziert in unseren Alltag integrieren. Wir müssen nicht gleich eine Hausapotheke einrichten, sondern können wieder lernen, Kräuter bewusst in Küche und Lebensführung einzubeziehen.

Ein Rezept für die kalte Jahreszeit: Kräutertee aus Holunderblüten, Thymian und Hagebutten
Eine wohltuende Kräutermischung, die uns in der kalten Jahreszeit begleiten kann.
Zutaten für etwa 500 ml:
2 TL getrocknete Hagebuttenschalen
1 TL getrocknete Holunderblüten
½ TL getrockneter Thymian
500 ml Wasser
nach Belieben etwas Honig
Zubereitung:
Hagebutten mit dem Wasser aufkochen und etwa 10 Minuten sanft köcheln lassen (Topf mit Deckel).
Den Topf vom Herd nehmen und Holunderblüten sowie Thymian hinzufügen.
Zugedeckt weitere 8–10 Minuten ziehen lassen.
Durch ein feines Sieb abseihen und nach Belieben mit etwas Honig verfeinern.
Am besten frisch und warm genießen.
Was können wir heute von Hildegards Pflanzenwissen lernen?
Vielleicht ist es gerade die Selbstverständlichkeit, mit der frühere Generationen Pflanzen in ihren Alltag integriert haben, die wir wiederentdecken dürfen. Kräuter waren nicht ausschließlich etwas für den Krankheitsfall. Sie gehörten in den Garten, auf den Teller, in die Vorratskammer und in die tägliche Küche. Man wusste, wann man sie sammelte, wie man sie trocknete und auf welche Weise man ihre Eigenschaften bewahren konnte.
Wenn wir dieses Wissen heute wieder aufgreifen, sollten wir es mit einem Verständnis für Pflanzeninhaltsstoffe, mögliche Nebenwirkungen und die Grenzen traditioneller Anwendungen verbinden. Denn nicht alles, was früher verwendet wurde, ist automatisch unbedenklich. Gerade bei stark wirksamen Pflanzen und ätherischen Ölen ist Sachkenntnis wichtig.
Vielleicht würde Hildegard uns heute daran erinnern, dass die Natur keine kurzfristige Lösung für jedes Problem bereithält, sondern dass es sich lohnt, ihre Vielfalt aufmerksam kennenzulernen. Dies erfordert nicht nur Zeit, sondern auch Hingae.
Ein kleiner Gedanke zum Mitnehmen:
Lerne die Pflanzen kennen, bevor du sie brauchst. Beobachte sie, verstehe ihre Eigenschaften und mache sie zu einem bewussten Teil deines Alltags. Nimm dir Hilfsmittel wie beipsielsweie Bücher zur Hand. Oder Besuche einen unserer Kräuterworkshops! Kontaktiere uns gerne - wir helfen dir dabei, die Pflanzenwelt für deine individuelle Bedürfnisse zu entdecken!
3. Edelsteine – Die verborgenen Kräfte der Steine
Was Hildegard von Bingen über die Heilkraft der Edelsteine überlieferte und was wir heute daraus mitnehmen können - ein paar Tipps für die Erkältungszeit
Für Hildegard von Bingen war die Natur ein Ausdruck göttlicher Schöpfungskraft. Alles Lebendige und auch das scheinbar Unbelebte hatte innerhalb dieser Ordnung seinen Platz. So widmete sie in ihrer naturkundlichen Schrift Physica ein ganzes Buch den Steinen und Edelsteinen.
Sie beschrieb ihre Entstehung, ihre Eigenschaften und ihre Verwendung. Dabei ging sie davon aus, dass Steine besondere Kräfte besitzen, die der Mensch sich auf unterschiedliche Weise zunutze machen könne. Dieses Gebiet nennt man heute Lithotherapie - und auch diesbezüglich haben wir ein reichhaltiges Seminar- und Workshopangebot.
Edelsteine in der Erkältungszeit – ein ungewöhnlicher Gedanke?
Auf den ersten Blick mag es ungewöhnlich erscheinen, Edelsteine in einem Beitrag über die Erkältungsvorsorge zu erwähnen. Doch Hildegard betrachtete die Natur als ein zusammenhängendes Ganzes - dies entspricht auch unseren Wertevermittlungen. Neben Pflanzen, Bäumen und Nahrungsmitteln widmete sie auch den Mineralien und Edelsteinen ihre Aufmerksamkeit.
In ihrer Physica, genauer gesagt im vierten Buch De lapidibus (Über die Steine), beschreibt sie 27 Kapitel zu verschiedenen Steinen. Sie ordnet ihnen bestimmte Eigenschaften zu und erläutert, wie sie nach damaliger Vorstellung angewendet werden konnten. Ihre Beschreibungen stehen dabei im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Elementen- und Temperamentenlehre.
Der Jaspis – Ein Stein für innere Ruhe und Beständigkeit
Der Jaspis ist ein eher unauffälliger, aber charaktervoller Stein. In seinen unterschiedlichen Farbnuancen – von Rot und Braun über Gelb bis hin zu Grün – trägt er die Spuren seiner Entstehung in sich. Mineralogisch handelt es sich um eine meist undurchsichtige, feinkörnige Quarzvarietät, deren Farben unter anderem durch eingelagerte Eisenverbindungen entstehen.

Was überlieferte Hildegard über den Jaspis?
In Physica beschreibt Hildegard den Jaspis als einen Stein, der sich ihrer Vorstellung nach besonders aus der Luft und der Wärme der Sonne entwickelt. Sie ordnet ihm eine ausgleichende Kraft zu.
Besonders interessant ist ihre Beschreibung, dass der Jaspis bei inneren „Säftestürmen“ beruhigend wirken solle. Sie empfiehlt in ihrer Schrift, den Stein auf die betroffene Körperstelle zu legen und dort zu erwärmen. Darüber hinaus erwähnt sie den Jaspis im Zusammenhang mit nächtlichen Trugbildern und innerer Unruhe.
Eine weitere bemerkenswerte Überlieferung betrifft das Denken: Wer eine wichtige Angelegenheit bedenken, eine große Aufgabe übernehmen oder eine Entscheidung treffen müsse, solle einen Jaspis in den Mund nehmen. Seine Kraft, so Hildegards Vorstellung, unterstütze einen beständigen Geist und bewahre vor gedanklichem Abschweifen.
Der Jaspis kann uns daran erinnern, inmitten äußerer Unruhe unsere eigene Mitte nicht zu verlieren. Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn der Alltag oft von Hektik, wenig Tageslicht und vielen Anforderungen geprägt ist, kann es wohltuend sein, bewusst innezuhalten.
In der modernen Stein- und Symbolkunde wird der Jaspis häufig mit Erdung, Stabilität und Ausdauer verbunden.
Ein kleines Ritual für die kalte Jahreszeit: Zurück in die eigene Mitte
Du brauchst:
Einen Jaspis deiner Wahl
Eine Kerze
Eine Tasse warmen Kräutertee
Etwa zehn Minuten ungestörte Zeit
Setze dich an einen ruhigen Ort und entzünde die Kerze. Nimm den Jaspis in deine Hand und betrachte seine Farben, Linien und Muster. Spüre sein Gewicht und seine Oberfläche.
Atme einige Male bewusst und ruhig ein und aus. Lass die Gedanken kommen und wieder gehen, ohne ihnen folgen zu müssen.
Frage dich anschließend:
Was bringt mich im Moment aus meiner inneren Ruhe?
Wo verliere ich mich in zu vielen Gedanken oder Anforderungen?
Was würde mir helfen, wieder mehr Beständigkeit in meinen Alltag zu bringen?
Formuliere zum Abschluss einen Gedanken, den du in den kommenden Tagen mitnehmen möchtest:
„Ich bleibe in meiner Mitte. Ich achte auf meine Kräfte und schenke mir selbst die Ruhe, die ich brauche.“
Trinke deinen Tee in Ruhe und bewahre den Jaspis an einem Ort auf, an dem er dich im Alltag an diesen Moment erinnern kann.
Ein Gedanke zum Mitnehmen:
Der Jaspis erinnert uns daran, dass Stärke nicht immer in Bewegung und Aktivität liegt. Manchmal zeigt sie sich gerade darin, ruhig zu bleiben, bewusst zu entscheiden und den eigenen Weg mit Beständigkeit weiterzugehen.

Aromatherapie – Die Kraft der Düfte bewusst nutzen
Wenn Pflanzen nicht nur unseren Gaumen, sondern auch unsere Sinne berühren
Pflanzen begleiten den Menschen seit jeher auf vielfältige Weise. Wir verwenden sie als Nahrung, Heilmittel, Gewürz, Räucherwerk oder zur Pflege. Ihr Duft ist dabei etwas ganz Besonderes: Er kann Erinnerungen wecken, eine Atmosphäre verändern und uns für einen Augenblick aus dem Alltag herausholen.
Auch Hildegard von Bingen beschäftigte sich intensiv mit den Eigenschaften der Pflanzen. In ihrer Physica finden sich zahlreiche Beschreibungen aromatischer Kräuter und Gewächse. Sie betrachtete Pflanzen nicht nur nach ihrem Geschmack oder ihrer Verwendung in der Küche, sondern ordnete ihnen bestimmte Qualitäten und Kräfte zu.
Allerdings müssen wir hier eine wichtige Unterscheidung treffen: Die heutige Aromatherapie mit destillierten ätherischen Ölen ist eine moderne Anwendungsmethode. Hildegard hat keine Aromatherapie im heutigen Sinne betrieben. Ihre Pflanzenkunde bietet uns aber einen schönen historischen Anknüpfungspunkt, um uns wieder bewusster mit den Düften der Natur auseinanderzusetzen.
Was können wir heute daraus mitnehmen?
Gerade in der kalten Jahreszeit können Düfte zu kleinen Inseln des Wohlbefindens werden. Ein Hauch von Lavendel am Abend, der frische Duft von Nadelbäumen oder die würzige Note von Thymian können uns helfen, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Ätherisches Minzöl kann uns dabei helfen, den Kopf zu klären und wieder frei durchatmen zu können. Es gibt auch ätherische Öle, die die Raumluft verbessern und gegen multiresitente Keime wirken können (dazu haben wir bereits einen Beitrag verfasst, den du hier nachlesen kannst).

Ein kleines Duftritual für die kalte Jahreszeit
Du brauchst:
2 Tropfen ätherisches Lavendelöl
2 Tropfen ätherisches Fichtennadelöl
Einen geeigneten Aromadiffuser (oder eine Duftlampe)
Frische Luft und etwa 15 Minuten Zeit
Bevor du mit dem Ritual beginnst, lüfte den Raum gut - lass frische Luft den Raum reinigen und atme ein paar Mal tief durch. Schließe das Fenster und gib die beiden Tropfen in den Diffuser bzw. in eine Duftlampe. Lass den Duft für kurze Zeit im Raum wirken. Setze dich währenddessen bewusst hin. Atme ruhig und nimm den Duft wahr, ohne etwas leisten oder erreichen zu müssen. Falls es dir kalt ist, umhülle dich mit einer warmen Wolldecke.
Vielleicht erinnert dich der Duft der Fichte an einen Waldspaziergang, während Lavendel eine ruhige, entspannte Atmosphäre schafft. Lass einfach deine Gedanken mit den ätherischen Duftgeister scheifen, wo auch immer sie dich hintragen mögen. Nimm wahr und genieße einfach den Moment, indem du nichts kontrollieren musst.
Du kannst dieses kleine Ritual besonders gut in deine Abendroutine integrieren – als bewussten Übergang vom geschäftigen Tag in die Ruhe der Nacht.
Wichtiger Hinweis zur Sicherheit: Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenextrakte. Sie sollten nicht unverdünnt auf die Haut aufgetragen und keinesfalls eigenmächtig eingenommen werden. Bei Asthma, Allergien, Schwangerschaft und Stillzeit ist besondere Vorsicht geboten. In Haushalten mit Kleinkindern oder Tieren sollte auf eine Beduftung nicht unkritisch zurückgegriffen werden; insbesondere Vögel reagieren empfindlich auf Duftstoffe.
Ein Gedanke zum Mitnehmen:
Manchmal braucht es nicht viel, um wieder bei sich anzukommen. Ein vertrauter Duft, ein Moment der Ruhe und die bewusste Wahrnehmung unserer Umgebung können uns daran erinnern, dass Wohlbefinden auch in den kleinen Dingen des Alltags beginnt.

5: Achtsamkeit – Die eigene Lebenskraft bewahren
Viriditas – Die grüne Lebenskraft in uns
Wenn wir über Hildegard von Bingen sprechen, begegnet uns früher oder später ein Begriff, der wie ein roter Faden durch ihr Denken führt: Viriditas – die grüne Lebenskraft.
Viriditas beschreibt jene schöpferische Kraft, die in der Natur sichtbar wird: im Keimen eines Samens, im Ergrünen der Wiesen, im Wachsen eines Baumes und im Wiederaufblühen nach einer Ruhephase. Für Hildegard war der Mensch Teil dieser göttlichen Schöpfungsordnung. Auch in ihm wirkt eine Lebenskraft, die genährt, bewahrt und gepflegt werden möchte.
Gesundheit bedeutete in diesem Zusammenhang nicht allein die Abwesenheit von Krankheit. Sie war eng mit einem ausgewogenen Lebenswandel verbunden. Maßhalten, eine angemessene Ernährung, ausreichend Schlaf, Bewegung und Ruhe gehörten zu den grundlegenden Voraussetzungen für ein harmonisches Leben.
Hier liegt eine besonders wertvolle Verbindung zur heutigen Gesundheitsvorsorge: Wir können nicht jeden Infekt verhindern. Aber wir können unseren Alltag so gestalten, dass unser Körper gute Voraussetzungen für seine natürlichen Funktionen erhält.
Was können wir heute daraus mitnehmen?
Unser moderner Alltag ist häufig von einem Ungleichgewicht geprägt. Wir sind ständig erreichbar, nehmen Informationen im Überfluss auf, wechseln zwischen Aufgaben und gönnen uns selbst dann kaum Ruhe, wenn unser Körper längst danach verlangt.
Dabei ist Erholung kein Luxus und schon gar keine verlorene Zeit. Schlaf, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein bewusster Umgang mit Belastungen gehören zu den wichtigen Grundlagen unserer Gesundheit. Auch das Immunsystem ist auf ein funktionierendes Zusammenspiel verschiedener körperlicher Prozesse angewiesen.
Achtsamkeit bedeutet deshalb nicht, sich aus dem Leben zurückzuziehen. Vielmehr geht es darum, wieder wahrzunehmen, was uns guttut, wo unsere Grenzen liegen und wann es Zeit ist, einen Gang zurückzuschalten.

Ein kleines Ritual für die kalte Jahreszeit: Die tägliche Rückkehr zu dir selbst
Nimm dir täglich etwa 15 bis 20 Minuten Zeit, in denen du bewusst nichts erledigen musst. Am besten gelingt das morgens oder am frühen Abend.
1. Ankommen
Beginne mit einigen ruhigen Atemzügen. Lege eine Hand auf deinen Brustkorb und eine auf deinen Bauch. Nimm wahr, wie du atmest, ohne deinen Atem verändern zu müssen.
2. Den Körper bewegen
Lockere deine Schultern, strecke dich und bewege dich sanft. Wenn es möglich ist, gehe anschließend für einige Minuten nach draußen. Tageslicht und Bewegung an der frischen Luft sind wertvolle Bestandteile eines gesunden Lebensrhythmus.
3. Die eigene Lebenskraft wahrnehmen
Bereite dir eine Tasse warmen Kräutertee zu und setze dich für einen Moment hin.
Frage dich:
Was gibt mir heute Kraft?
Was kostet mich unnötig Energie?
Wo brauche ich mehr Ruhe oder einen bewussteren Umgang mit meinen Grenzen?
Was kann ich heute tun, um gut für mich zu sorgen?
4. Eine bewusste Entscheidung treffen
Wähle eine kleine Sache, die du an diesem Tag für dein Wohlbefinden tun möchtest. Vielleicht ist es ein Spaziergang, eine selbst gekochte Mahlzeit, ein früherer Feierabend oder eine Pause ohne Smartphone.
Schließe das Ritual mit einem Gedanken ab:
„Ich achte auf meine Lebenskraft. Ich gebe meinem Körper, meinem Geist und meiner Seele Raum, um im Gleichgewicht zu bleiben.“
Kleine Gewohnheiten mit großer Bedeutung
Wer Achtsamkeit nicht nur als gelegentliches Ritual, sondern als Lebenshaltung versteht, kann sie in vielen kleinen Entscheidungen verankern:
Schlaf: Achte auf regelmäßige Schlafenszeiten und ausreichend Erholung.
Bewegung: Integriere Spaziergänge und natürliche Bewegung in deinen Alltag.
Ernährung: Nimm dir Zeit für frische, abwechslungsreiche und saisonale Mahlzeiten.
Ruhe: Plane bewusst Zeiten ohne digitale Reize und ständige Erreichbarkeit ein.
Naturverbundenheit: Verbringe regelmäßig Zeit im Grünen und nimm die Veränderungen der Jahreszeiten wahr.
Ein Gedanke zum Mitnehmen:
Viriditas erinnert uns daran, dass Lebenskraft nichts ist, was wir ständig erzwingen müssen. Sie braucht günstige Bedingungen, Aufmerksamkeit und Raum zur Entfaltung. Für mich ist genau das eine der schönsten Botschaften, die wir aus Hildegards Naturverständnis für unsere heutige Zeit mitnehmen können: Wir müssen nicht immer mehr tun, um gesünder zu leben. Manchmal dürfen wir lernen, wieder bewusster zu leben.
Wir hoffen, dass du ganz viel Input aus diesen Informationen mitnehmen kannst und wünschen dir viel Erfolg bei der Umsetzung! Denn Vorsorge beginnt nicht erst im Herbst, wenn die erste Erkältungswelle durch das Land zieht. Sie beginnt jeden Tag – mit den kleinen Entscheidungen, die wir für unser Leben treffen.
Dein Team der
PHI NATURAKADEMIE


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